Welche Nähmaschine passt zu mir?

Nähmaschinen Übersicht

Vor dieser Frage steht wohl jede Näherin mindestens einmal in ihrem Leben. Oft taucht die Frage noch ein zweites und manchmal sogar ein drittes Mal auf. Denn viele Näherinnen beginnen erst einmal mit einem günstigen Einsteigermodell. Das leistet meistens für die Anfangszeit gute Dienste, bis irgendwann der Wunsch nach einer besseren Nähmaschine immer drängender wird. Manch eine kreative Schneiderin ändert auch ihren Schwerpunkt, sodass bei einer neuen Nähmaschine plötzlich ganz andere Kriterien wichtig sind als bisher. Doch welche Nähmaschine brauche ich wirklich und reicht eine normale Haushaltsnähmaschine? Oder sollte es besser gleich eine Overlock oder gar eine Covermaschine sein? Und was sind überhaupt die Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen? Ich zeige dir in diesem Nähmaschinen-Ratgeber, welche unterschiedlichen Nähmaschinen-Arten es gibt und für welche Zwecke du sie nutzen kannst.

Allgemeine Tipps für Kauf einer neuen Nähmaschine

Es gibt nicht DIE Nähmaschine, die für alle gleichermaßen perfekt ist. Am besten ist es daher, wenn du deine Wunschmaschine vorab testest. In vielen Städten gibt es Fachhändler, die zahlreiche Modelle unterschiedlicher Hersteller führen und dir genau zeigen können, welche Vorteile die einzelnen Maschinen bieten. Zudem bekommst du vor Ort eine Einweisung und hast bei Fragen und Problemen einen direkten Ansprechpartner. Hast du nicht die Möglichkeit, in ein Fachgeschäft zu gehen, solltest du dich vorher gut informieren, was deine neue Nähmaschine alles können sollte und wie die Preise für die einzelnen Modelle sind. Achte auf die Bewertungen für einzelne Maschinen oder Hersteller und frag bekannte Näherinnen, mit welcher Nähmaschine sie zufrieden sind oder was sie vermissen – vielleicht kannst du dort sogar einmal probenähen.

Die normale Haushaltsnähmaschine – ein echter Allrounder

Brother-Nähmaschine
Eine klassische Haushaltsnähmaschine ist der perfekte Allrounder für alle Näharbeiten.

Eine normale Haushaltsnähmaschine sollte in keinem kreativen Haushalt fehlen. Sie ist vielseitig einsetzbar, verfügt in der Regel über verschiedene Stiche und kann individuell eingestellt werden. Sie ist ideal, um zwei oder mehr Stofflagen miteinander zu verbinden. Du kannst mit ihr außerdem säumen, applizieren, versäubern und vieles mehr. Unterschieden wird zwischen mechanischen und computergesteuerten Nähmaschinen. Mechanische Maschinen sind häufig robuster, weil keine oder nur sehr wenig fehleranfällige Technik in ihnen steckt. Wenn du viel mit dicken Materialien zu tun hast, und zum Beispiel gerne mal Taschen nähst, ist eine robuste mechanische Maschine gut geeignet. Viele Modelle können mehrere Lagen Jeans, Gurtband oder sogar Leder nähen. Computer-Nähmaschinen haben hingegen meist mehr Einstellungsmöglichkeiten. Je nach Ausführung sind sie natürlich ebenfalls in der Lage, dickere Materialien zu verarbeiten. Stichauswahl, -länge, -breite, Fadenspannung und mehr werden auf Knopfruck geändert. Viele moderne Geräte verfügen außerdem über zahlreiche Zierstiche, mit denen du hübsche Nähte aufbringen kannst.

Was muss eine Nähmaschine können?

Was eine gute Nähmaschine alles mitbringen muss, ist individuell sehr verschieden. Zunächst solltest du überlegen, wo deine Schwerpunkte liegen. Wenn du oft dicke Stoffe vernähst oder auch mal Leder oder mehrere Lagen Jeans, muss dafür genügend Platz unter dem Fuß sein. Nähst du oft zarte, dünne und elastische Stoffe, ist ein Obertransportfuß sinnvoll. Denn im Normalfall transportiert eine Nähmaschine nur den Unterstoff. Bei dünnen oder elastischen Stoffen verschieben sich dann die Stofflagen oder es kommt zu Wellen. Der Obertransportfuß transportiert den Oberstoff und sorgt für ein gleichmäßigeres Nahtbild. Hast du keine Overlock, nähst aber viel Kleidung, ist ein Overlockstich sinnvoll. Versäubern kannst du aber auch mit einem normalen Zickzack-Stich. Ein nettes Gimmick sind Automatikstiche, etwa um Knopflöcher zu nähen. Besonders praktisch sind diese, wenn die Maschine das Loch ganz von selbst passend zum Knopf näht. Auch die Knöpfe selbst können von manchen Nähmaschinen angenäht werden. Beim Kauf der Nähmaschine ist es gut, wenn alle notwendigen Nähfüße wie ein Reißverschlussfuß bereits mitgeliefert werden. Für Kleidung ist ein Freiarm hilfreich. Ärmel oder Hosenbeine schiebst du einfach über diesen Arm und säumst sie so spielend leicht. Oft kann der Anschiebetisch abgenommen werden, um die Maschine mit Freiarm nutzen zu können. Im Anschiebetisch ist meist Platz für Nähfüße, Schraubenzieher oder Ersatznadeln.

Diese Details sind für eine Kaufentscheidung sinnvoll:

  • Ist das Licht ausreichend hell?
  • Kann die Nähmaschine automatisch einfädeln?
  • Sind alle Stiche verfügbar, die ich mir wünsche?
  • Gibt es Automatiken wie zum Beispiel Verriegeln oder Knopflöcher?
  • Wie hoch ist der Fußhub?
  • Welches Zubehör bekomme ich mitgeliefert?

Was kann eine Overlock-Nähmaschine?

Overlock Babylock
Mit einer Overlock kannst du spielend leicht elastische Stoffe miteinander verbinden. Die Maschine näht und versäubert in einem Arbeitsschritt.

Wenn du viel Kleidung aus elastischen Stoffen wie Jersey oder Sweat nähst, kann eine Overlockmaschine dein Hobby auf ein ganz neues Level heben. Eine Overlock-Nähmaschine versäubert und näht in einem Arbeitsschritt. Das Ergebnis sind elastische Nähte, die aussehen wie die Nähte, die du von gekaufter Kleidung kennst. Damit gelingen Pullover, Shirts und sogar Sport- oder Badesachen aus flutschigen Lycras ganz problemlos und viel schneller als mit einer herkömmlichen Nähmaschine. Der entscheidende Unterschied zu einer Haushaltsnähmaschine ist, dass du nur entlang der Stoffkante nähen kannst. Nähte auf dem Stoff sind nicht möglich. Die normale Overlock-Naht wird mit vier Fäden genäht.

Overlocknaht mit 4 Fäden
Die klassische Overlocknaht wird mit 4 Fäden genäht.

Schmalere Nähte kannst du erreichen, wenn du nur mit drei Fäden nähst. Die Stoffe werden während des Nähens entlang der Kante abgeschnitten. Bei vielen Overlockmaschinen kannst du das Messer wegklappen, wenn du mal bei einer Naht nicht schneiden willst. Die meisten Overlock-Maschinen verfügen zudem über einen Differentialtransport. Damit kannst du einstellen, wie stark dein Stoff oben und unten transportiert werden soll. Über die richtigen Einstellungen kannst du sogar Stoffe einkräuseln. Auch bei Overlockmaschinen gibt es verschiedene Nähfüße, zum Beispiel zum Kräuseln oder zum Annähen von Gummibändern. Im Vergleich zur normalen Nähmaschine ist das Einfädeln bei der Overlock aufgrund der vier Fäden komplizierter. Wenn du die Möglichkeit hast, teste vorab in einem Fachgeschäft mehrere Maschinen und lass dir das Einfädeln zeigen.

Diese Details sind für eine Kaufentscheidung sinnvoll:

  • Ist das Licht ausreichend hell?
  • Wie kompliziert ist das Einfädeln?
  • Gibt es Einfädelhilfen?
  • Kann das Messer weggeklappt werden?
  • Gibt es einen Abfallbehälter, der den abgeschnittenen Stoff auffängt?
  • Welche Stiche gibt es?
  • Werden Nähfüße oder anderes Zubehör mitgeliefert?
  • Muss ich die Fadenspannung selbst einstellen oder kann die Maschine dies allein?

Coverstitch – der Sportwagen unter den Nähmaschinen

Die Covermaschine näht perfekte Saumabschlüsse. Außerdem kannst du damit tolle Kontrastnähte auf deinem Stoff setzen.

Eine Covermaschine ist die perfekte Ergänzung von Haushaltsnähmaschine und Overlockmaschine. Allerdings ist sie eben wie ein Sportwagen – tolle Sache, macht Spaß, ist aber kein echter Ersatz für ein solides, zuverlässiges und alltagstaugliches Fahrzeug. Eine Coverstitch ist also immer als Ergänzung zu verstehen, wenn du bereits eine gute Näh- und Overlockmaschine besitzt. Die Coverstitch ist ideal, um schöne Saumabschlüsse zu zaubern. Anders als mit einer Overlockmaschine kannst du auch auf dem Stoff nähen und damit tolle Kontrastnähte setzen.

Die Coverlocknaht von der Vorder- und Rückseite. Mit Kontrastfarben setzt du einmalige Akzente bei deinen Nähwerken.

Typische Covernähte findest du oft an Raglanshirts, wo die Nähte deutlich abgesetzt sind. Die Covermaschine nutzt bis zu drei Nadeln gleichzeitig. Im Gegensatz zur Overlockmaschine ist das Einfädeln weniger kompliziert.

Diese Details sind für eine Kaufentscheidung sinnvoll:

  • Wie leicht lässt sich die Maschine einfädeln?
  • Gibt es Zubehör dazu?
  • Sind unterschiedliche Füße im Lieferumfang enthalten?
  • Ist das Nählicht hell genug?

Overlock, Coverstitch oder 2 in 1?

Overlock und Coverstitch gibt es oft in Kombination. Mit wenigen Handgriffen wird die Overlock zur Covermaschine. Solche Modelle gibt es von verschiedenen Herstellern. Grundsätzlich ist gegen eine solche Kombination nichts einzuwenden und sie ist vor allem praktisch, wenn du nicht so viel Platz hast. Du solltest dir aber vorher darüber Gedanken machen, ob du auf das Umbauen wirklich Lust hast. Sonst kann es passieren, dass du die Maschine in dem Modus lässt, der gerade benutzt wird, und einfach dabei bleibst. Gerade wenn du viel nähst oder regelmäßig Overlock- und Covernähte bei deinen Kleidungsstücken verwenden willst, kann der Umbau schnell lästig werden. Lass dir am besten vorab im Fachgeschäft zeigen, wie der Umbau funktioniert. So kannst du entscheiden, ob dir das liegt oder ob du doch lieber zwei Maschinen separat nutzen willst.

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